Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

Liebe oder Sünde –

Beitrag im SONNTAG, Wochenzeitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Dürfen homosexuelle Partner im Pfarrhaus leben oder gesegnet werden? Darüber gehen die Meinungen in der Landeskirche weit auseinander.
Es geht ums Ganze

Die sächsische Landeskirche ist groß. So groß, dass sich die verschiedenen Regionen und Frömmigkeitsrichtungen mitunter kaum verstehen. Gestochen scharf zeigt dies die aktuelle Debatte um gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Sie entzündet sich am neuen Pfarrerdienstgesetz der EKD, das in einem Anhang zu Paragraph 39 die Pfarrhäuser öffnet für jede Form von verbindlichen Partnerschaften – auch für homosexuelle.
Im kommenden Frühjahr soll die sächsische Landessynode über dieses Gesetz entscheiden. In einer Erklärung bitten vorab 77 meist südsächsische Gemeinden die sächsische Kirchenleitung und Synode, nichts an ihrer bisherigen Haltung zu ändern: Homosexuelle dürften zwar Pfarrer sein, aber im Pfarrhaus keine Beziehung leben.
»Unter den Gemeindegliedern ist eine große Sorge da, dass sich die Kirche in dieser Frage unter dem gesellschaftlichen Druck von ihrem Bekenntnis und der Heiligen Schrift ablöst«, sagt Gaston Nogrady. Der Pfarrer im erzgebirgischen Markersbach rief den Appell im Mai ins Leben – und fast täglich schließen sich neue Gemeinden an. Der Theologe verweist auf die Bibel: Mann und Frau seien in der Schöpfung einander zugeordnet, dies begründe das kirchliche Leitbild von Ehe und Familie. In keiner Weise aber wolle er homosexuelle Menschen diskriminieren oder zu ihren Partnerschaften eine Wertung abgeben, betont Nogrady.
Nicht alle Kritiker urteilen so differenziert. In einem Brief an sämtliche Gemeinden der Landeskirche bezeichnete ein Chemnitzer Pfarrer eine Zulassung homosexueller Partnerschaften als »Gott-widrige schwerwiegende Gefährdung unserer Landeskirche« und drohte gleichgeschlechtlich Liebenden – unter Berufung auf den Apostel Paulus im Römerbrief – mit »Gottes Zorn«.
Auf dem Pfarrertag im September kritisierte Landesbischof Jochen Bohl außergewöhnlich deutlich die »aggressive Sprache« mancher Kritiker und mahnte einen respekt- und liebevollen Umgang miteinander an.
Um das explosive Potential des Themas zu entschärfen, hatte die Kirchenleitung eigens eine Arbeitsgruppe »Homosexualität in biblischem Verständnis« eingerichtet, mit deren Abschlussbericht sie sich auf einer Klausurtagung am 20. und 21. Januar 2012 gründlich beschäftigen will.
Ob daraus ein Kurswechsel erwächst, ist offen.
Fest steht aber jetzt schon zweierlei: Die Kirchenleitung möchte auf die umstrittenen Ausführungsbestimmungen des Paragraphen 39 verzichten. Und sie hat Angst vor einem Zerbrechen der Einheit der Landeskirche.
Der Verweis auf die gefährdete Kircheneinheit aber dürfe von Seiten der Kritiker nicht als Druckmittel genutzt werden, sagt Albrecht Nollau. Der Superintendent des Kirchenbezirks Dresden Nord wünscht sich eine Diskussion des Schriftverständnisses. »Die Bibel ist von Menschen in einer ganz bestimmten Zeit geschrieben worden. Auslegung ist mehr als einfaches Ablesen – man muss auch die Intention der Bibel im Blick behalten, Zeugnis der Liebe Gottes zu sein.«
In den Großstadtgemeinden von Dresden und Leipzig indes gibt es die Debatte um homosexuelle Pfarrer kaum. Hier wurden wie in der Dresdner Kreuzkirchgemeinde in letzter Zeit sogar gleichgeschlechtliche Partner gesegnet – wenn auch nur im kleinen, seelsorgerlichen Rahmen. Mehr lassen die Beschlüsse der Landeskirche nicht zu. Doch die Stadtgemeinden gehen diesen Weg mit.
»Es gibt keine Äußerung von Jesus über die Homosexualität«, sagt der Dresdner Kreuzkirchenpfarrer Joachim Zirkler. »Aber es gibt viele Zeugnisse, wie er mit Menschen umging, die in der Gesellschaft in der Minderheit und nicht so angesehen waren.«
Liebe oder Sünde: Für viele ­Christen könnte die Haltung ihrer Landeskirche gegenüber Homosexuellen zur Bekenntnisfrage werden.

Andreas Roth

20. Oktober 2011 / Kategorie: Texte / Autor: Horst

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