Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

aufrechten Ganges

Markus und Paul haben geheiratet. Eine offizielle kirchliche Segnung ist in Sachsen (noch) nicht möglich. Aber es ist mehr möglich als man denkt. Das beschreibt Markus in einem Brief an einen Gratulanten:

“Lieber Herr B,
haben Sie Dank für Ihre Gratulation! Unsererseits ist es eigentlich gar nicht so revolutionär gewesen: mich kennen Sie seit Langem, und Paul, mein Mann, ist einer der fünf Vorstände der HuK (Homosexuelle und Kirche) – wir sind entschiedene Christen, da ist nicht viel zu entscheiden gewesen. Eine viel größere Entscheidung war es wohl für Frau K., unsere Pfarrerin im Kirchspiel Dresden-Neustadt. Sie ist ja außerdem auch im Vorstand der Landessynode und Mitglied der Kirchenleitung. Sie hat gespürt, dass es uns nicht um Revolution ging, sondern um den Segen, ja sie hat uns letztlich sogar immer wieder ermahnt, dabei zu bleiben und nicht demütig leise zu treten. Nein, es wurde kein Gottesdienst zur Eheschließung, sondern ein wundervolles Konzert. Wir hatten gemeinsam mit ihr alle in den sächsischen kirchlichen Regelungen nicht ausgeschlossenen Möglichkeiten gesucht, so dass herauskam:
* statt Amtshandlung ein Geistliches Konzert mit mehreren Chören, in denen auch wir selbst mitsingen, aber eben: keine biblischen Lesungen,
* keine evangelisch-lutherische Kirche, allerdings evangelisch-lutherische Veranstaltung (quasi eingemietet) in der gastfreundlichen evangelisch-reformierten Kirche Dresden,
* weil es eine evangelisch-reformierte Kirche war, gab es keinen Altar. Die Gemeinde saß kreisförmig um einen freien Platz,
* weil laut Luther die “Ehe ein weltlich Ding” ist, gab es keinen Ringwechsel und keine Frage: “Willst du …”, sondern ausschließlich Ring-Anstecken auf dem Standesamt eine Stunde zuvor,
* keine Segnung vor einem Altar durch einen ordinierten Geistlichen, sondern quasi Segnung durch Gott selbst: EG 380 “Ja, ich will euch tragen”, dazu knieten wir beide mitten auf dem freien Platz nieder, einander zugewandt.
* Nach der 6. Strophe kamen sechs uns nahe stehende Laien (Mutter, Sohn, Freunde) zu uns, legten uns gemäß Priestertum aller Gläubigen die Hand auf und sprachen Segensvoten. Dann sangen wir die 7. Strophe.
Uns ist wichtig: dies war keine demütigende Veranstaltung mit Blick auf die Einschränkungen, sondern wir konnten voller Stolz aufrechten Ganges auf die uns gegebenen Möglichkeiten schauen, und das waren viele. Darüber sind wir sehr froh.
Die Kirche war mit etwa 200 Besuchern so voll, dass viele stehen mussten. Die Kollekte für das Engagement der HuK speziell in Sachsen erbrachte fast einen halben Tausender. Anschließend hatten wir eine super-fröhliche Feier … “

geschrieben am 18. November 2012

 

14. Februar 2013 / Kategorie: Texte / Autor: Horst

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