Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

Das ist nicht im Sinne Christi

Jugend predigt
Günter Hänsel (16) aus Limbach-Oberfrohna predigte über Homosexualität im Pfarrhaus
Er liest viel in der Bibel und beschäftigt sich damit. Als im vorigen Jahr in unserer Landeskirche eine heftige Diskussion über homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus begann, ließ ihn dieses Thema nicht mehr los.
Da er gern einmal “selbst am Pult stehen und predigen” wollte,  bewarb er sich beim Wettbewerb “Jugend predigt” der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bekam im Oktober 2012 die Möglichkeit, eine Predigt zu halten. Sie steht unter dem Thema “Das ist nicht im Sinne Christi”.

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Günter Hänsel : „Jugend predigt“ 2012

Ein Sturm, dunkle Wolken voller Tränen, Enttäuschung, Wut zieht über die Landeskirche in Sachsen.
Kein Thema hat in der sächsischen Landeskirche für solch eine Aufregung und Diskussion gesorgt wie die Entscheidung der Synode, dass homosexuelle Pfarrer mit großer Zustimmung der Gemeinde zusammen im Pfarrhaus leben dürfen.

Was geht davor?
Welche Vorurteile kann man gegenüber Menschen haben, die von Teilen der Kirche als schwache und sündige Menschen darstellt werden?

Öffentliche Veranstaltungen und Briefe sollen dazu dienen, Menschen in der Überzeugung zu lassen, dass gelebte Homosexualität Sünde sei und vor Gott keine Zustimmung finde.

Ich frage mich, welche Gründe jemanden bewegen, derart intolerant gegen Menschen, die zur Gemeinschaft Christi gehören, zu wettern?
Geht es um den Erhalt des Bildes von der Ehe, bestehend aus Papa, Mama und Kind?
Oder geht es darum, gegen den Wandel in unsere Gesellschaft zu steuern, was Homosexualität betrifft?
Geht es also um festhalten von eigentlich überholten Ansichten?
Geht es um eine sexuelle Orientierung, die Laut der Bibel nicht der Schöpfung Gottes entspricht?
Sind Homosexuelle schlechte Christen?
Dürfen Homosexuelle nicht Christen sein?

Klar ist, dass Homosexuelle viel Leid und Verachtung zu ertragen haben.
Manch einer ist gar aus der Kirche ausgetreten, fühlte sich in der Kirche nicht mehr zu Hause und zog sich aus der Gemeinde der Gläubigen verletzt und unverstanden zurück.
Sie fühlen sich vertrieben, zweifeln an sich und ihrem Glauben.

Verlieren diese Menschen ihre Verbindung zu Jesus?

Bei Maria war das leider so. – frei erzählen:

Als ich 16 Jahre alt war, entschied ich mich dafür, mich taufen zu lassen. Ich besuchte mit acht  jungen Menschen gemeinsam den Konfirmationsunterricht. Unterricht- ein für mich falscher Ausdruck, denn wir verbrachten zusammen immer einen fröhlichen Nachmittag, dachten über Gottes Wort nach, sangen und lachten und aßen gemeinsam. Am Ende unserer Konfi-Zeit fuhren wir zusammen auf Rüstzeit und lernten uns noch besser kennen. Nach der Konfirmation war jeder von uns eingeladen, in die Junge Gemeinde zu kommen. Davon machte ich interessiert regen Gebrauch. Maria (Name geändert) war auch stets dabei. Maria und ich verstanden uns prima. Gerade mit ihr hatte ich mich in den Konfi-Stunden sehr verbunden gefühlt, unsere Ansichten über Gott und die Welt und ein gleicher Humor hatten uns einander näher gebracht. Maria kommt aus einer nicht christlichen Familie. Ihre Oma hatte ihr immer viel über Jesus erzählt, wodurch ihr Interesse am Christentum geweckt worden war. Schließlich hatte sie sich dafür entschieden, die Konfirmation zu machen.
Plötzlich aber kam Maria nicht mehr in die Junge Gemeinde. Ich dachte mir: „Vielleicht ist sie krank oder sie muss viel für dich Schule lernen.“ Jedenfalls dachte ich mir nichts Großes dabei. Nachdem sie jedoch mehrere Wochen nicht erschienen war, beschlichen mich Sorgen um sie. Dann traf ich Maria im Bus  auf dem Weg zu meiner Oma. Ich stürzte auf sie zu. Die Freude, einander wiederzusehen, konnte man von unseren Gesichtern ablesen. Natürlich fragte ich Maria, warum sie so lange nicht mehr in die Junge Gemeinde gekommen war. Was ich dann hörte, macht mich bis heute sehr traurig. Sie sagte: „Günter, ich habe zwei homosexuelle Freunde und die beiden sind mir wirklich sehr wichtig. Mein Grund, warum ich nicht mehr in die Junge Gemeinde komme, hängt damit zusammen, dass die Kirche etwas gegen Homosexuelle hat.“ In dem Moment fehlten wir die Worte und ich wusste im ersten Moment nicht, was ich ihr antworten sollte.

Ein Mädchen blieb allein, war zutiefst abgestoßen von Ansichten über Homosexuelle.
Schauen wir uns nochmal ihre Worte an, sie sagte: „Mein Grund, warum ich nicht mehr in die Junge Gemeinde komme, hängt damit zusammen, dass die Kirche etwas gegen Homosexuelle hat.“

Sollten wir uns nicht schämen, dass von unserer Kirche solch ein Bild entsteht?

Für solch einen Vorgang schäme ich mich als in der Kirche Engagierter.
Wir hören doch von der Kanzel die „Nächstenliebe“ predigen.

Und wie leben wir unsere „Nächstenliebe“?
Lassen wir jeden an unseren Tisch, wie Jesus es zu seiner Zeit getan hat?
Darf der Homosexuelle in der Kirche sich neben uns auf die erste Bank setzen?
Oder ist er es nicht wert, weil er nicht stark genug vor Gott ist, sondern mit Schwachheit geschlagen ist?
Was würde Jesus sagen?
Jesus spricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.”
Man kann sagen: “Meine Kraft ist in den Homosexuellen mächtig.”
Jesus wünscht sich von jedem Menschen, dass er seine Sexualität voller Liebe und Achtung lebt.
Jesus akzeptiert unterschiedliche sexuelle Orientierungen.
Jesus gibt den Menschen die Kraft, sich mit sich selbst auszusöhnen und Frieden in ihrem Leben zu finden.
Er wünscht sich keine zerbrochenen Herzen, sondern Herzen die voller Lebenslust und Leidenschaft schlagen.
Amen.

Hier kann die Predigt gesehen und gehört werden:
http://www.ekd.de/jugend-predigt/2012/22219.html

 

26. Februar 2013 / Kategorie: Texte / Autor: Horst

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