Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

ja, so ist es in unserer Landeskirche …

Von Sven Heitkamp, Leipzig
Pfarrer Christoph Maier und Vikarin Jennifer Scherf werben um eine buntere Kirche in Sachsen.
Pfarrer Christoph Maier und Vikarin Jennifer Scherf werben um eine buntere Kirche in Sachsen.

Christoph Maier wählt seine Worte mit Bedacht. Der 42-Jährige ist Pfarrer der evangelischen Bethlehem-Gemeinde in der Leipziger Südvorstadt, verheiratet und Familienvater – aber kein Berufsrevolutionär. Jetzt allerdings legt er sich einmal mehr mit seiner Evangelischen Landeskirche und ihrem neuen Landesbischof Carsten Rentzing an. Maier gehört zu den Initiatoren der innerkirchlichen Bewegung „frei und fromm“, die für mehr Vielfalt in der Kirche eintritt. Sie will zugleich Solidarität üben mit Menschen, die wegen ihrer Lebensweise von manchen Gemeinden ausgegrenzt und diskriminiert werden, vor allem mit homosexuellen Theologen.

In jüngster Zeit mehren sich Beispiele von gleichgeschlechtlich lebenden Seelsorgern oder Kirchenmusikern, die aus dem Amt gedrängt wurden oder vorsorglich ihren Posten verlassen haben: Ein homosexueller Organist in Chemnitz-Klaffenbach darf nicht mehr im Gottesdienst spielen. Eine Pastorin wechselt den Job, um mit ihrer Frau unter einem Dach leben zu können. Ein Jugendwart im Kirchenbezirk Aue erhält Predigtverbot. Ein männliches Pastoren-Paar aus Dresden und Dahlen zieht – wohl aus einer Mischung aus Frust und Trotz – nach Schleswig-Holstein. Auf der Internetseite www.frei-und-fromm.de fallen seit diesem Frühjahr Begriffe wie „Dogmatismus“, „Lähmung“ und „geistige Enge“.

Auch der Dresdner Superintendent Christian Behr äußert sich dort. Er wünsche sich „eine offene und barmherzige Grundhaltung allen Menschen gegenüber, die vom biblischen Zeugnis geprägt ist“. Am 27. August ist nun ein Forumstag in der Leipziger Peterskirche mit Referaten und Arbeitsgruppen geplant. Pfarrer Maier hofft auf 150 bis 200 Teilnehmer.

Landesbischof Rentzing hatte vor seiner Amtseinführung vor einem Jahr eine scharfe Tonlage angeschlagen: „Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht.“ Dies mache es schwer, jemandem zu raten, seine Homosexualität zu leben. Und: „Wenn wir homosexuelle Beziehungen in Pfarrhäusern uneingeschränkt zuließen, würde die Kirche das Signal setzen, dass Homosexualität aus Gottes Sicht in Ordnung wäre.“

Er traf damit den Nerv konservativer Kirchenkreise. Nicht nur in Worten, auch in Regularien geht die Landeskirche einen strengen sächsischen Weg. Während die Evangelische Kirche Deutschlands die Türen der Pfarrhäuser auch für gleichgeschlechtliche Paare öffnete, ist in Sachsen eine einmütige Zustimmung der Gemeinde notwendig. Für die Besetzung einer Pfarrstelle sind die Landeskirche und der Kirchenvorstand zuständig – beides kann kaum überwindbare Hürden bedeuten.

„Nicht gerade einladend“

Jennifer Scherf gehört zu jenen, die diese Stimmung in Sachsen hautnah erleben. Sie ist mit einer Leipzigerin verheiratet und beendet gerade ihr Vikariat in der Bethlehem-Gemeinde. Nun sucht die 30-Jährige nach einer Pfarrstelle rings um Leipzig, da ihre Frau in der Region beruflich gebunden ist. „In Leipzig habe ich sehr gute Erfahrungen gesammelt“, erzählt sie. „Aber anderswo im Land begegne ich zuweilen Vorurteilen und Vorbehalten. Da gibt es viel Gesprächsbedarf, gerade wenn es um Familienbilder geht.“ Homosexualität gelte in manchen christlichen Kreisen als sündhaftes Leben und als Neigung, die nicht gelebt werden dürfe – besonders im Pfarrhaus. „Das ist nicht gerade einladend“, sagt Jennifer Scherf. Angesichts dieser Atmosphäre und der Negativbeispiele anderer Kollegen habe sie sich entschieden, zunächst außerhalb der sächsischen Landeskirche nach einer Stelle zu schauen.

Pfarrer Maier bringt es auf den Punkt: „Mit der Wahl von Bischof Rentzing ist etwas passiert, das uns schmerzt“, sagt er. In der „ohnehin zentralistisch denkenden Landeskirche“ gewinne das Konservative die Überhand über eine offene Kirche. „Es ist ein Klima entstanden, in dem Leute sagen: Denen traue ich nicht über den Weg“, so Maier. „Dagegen wollen wir einen Punkt setzten und deutlich machen: Wir stehen für eine offene, bunte, liberal denkende Kirche.“ Maier hatte schon vor der Wahl des neuen Bischofs eine Petition gestartet. Ihr Titel: „Ja-zur-Amtseinführung-Aber“.

Erklärung findet Zuspruch

„In vielen Punkten stehen wir für eine andere Kirche als die, die Dr. Carsten Rentzing bisher repräsentiert hat“, heißt es in der Erklärung, die von Hunderten Gleichgesinnten unterzeichnet wurde, darunter viele namhafte Pfarrer. Maier und seinen Glaubensbrüdern geht es dabei nicht nur um den Umgang mit Homosexualität. Warum, fragt er, habe sich die sächsische Kirchenspitze bis heute nicht selbstständig und klar zu ihrer Partnerkirche Lettland geäußert – die im Juni beschlossen hat, dass Frauen nicht mehr Pfarrerinnen werden dürfen? Und warum tut sich die Landeskirche so schwer damit, sich deutlich von Rechtsextremisten zu distanzieren?

Die Landeskirche reagiert derweil diplomatisch auf das Projekt „frei und fromm“: „Wie vielfältig und bunt unsere Landeskirche ist, zeigt nicht zuletzt die Initiative selbst“, sagte Tabea Köbsch, die Leiterin der Stabsstelle für Kommunikation und Koordination. „Das ist gut und richtig so und macht deutlich, dass unsere Kirche von Leben erfüllt ist.“

13. August 2016 / Kategorie: Neuigkeiten / Autor: Horst

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  • unser nächster Treff:

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    .....................................

    Samstag, 8. September 2018 19 Uhr
    Theaterpädagogisches Zentrum Sachsen
    Gastspiel in der Stadtteilbühne Wanne
    neben Gerede e. V.
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    ....................................

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    Leider fällt der geplante Besuch aus Termingründen von Ines-Paul Baumann aus. Deshalb haben wir ein Ersatzthema gewählt. Bitte bei "Unsere Termine" nachsehen.

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    Liebe Freundinnen und Freunde,

    wir laden Euch herzlich ein:

    * zu unserer gemeinsamen Veranstaltung mit der Trans-ID-Gruppe

    am kommenden Sonnabend, 8. September 2018, 19:00 Uhr, im Theater "Wanne", Prießnitzstraße 18 (neben der GEREDE-Toilette)

    Impro-Theater

    Das Theaterpädagogisches Zentrum Sachsen e. V. ( https://www.tpz-sachsen.de/forummerkurius-unterwegs/ ) beginnt die Vorstellung zu spielen - auch mit christlichen Szenen -, und zunehmend werden die Zuschauer zu Akteuren: es entsteht ein Theater der Begegnung, an dem Mitwirkende wie Zuschauende interaktiv und kreativ beteiligt sind.

    Eintrittspende: 2,00 EUR

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    am kommenden Wochenende - Freitag bis Sonntag, 7. bis 9. September 2018, nach Torgau - http://www.tagdersachsen2018.de/

    Wer fährt ohnehin zum Tag der Sachsen? Wir haben da im Kirchendorf ( https://christen-am-tag-der-sachsen.de/kirchendorf.html ) einen Info-Stand und suchen - auch zeitweise - Mithelfer. Tragt Euch gern ein: https://doodle.com/poll/kybzmc55bpp4z45f

    * z u u n s e r e m n ä c h s t e n T r e f f e n

    am kommenden Montag, 10. September 2018, 20:00 Uhr, wie immer in den Räumen des GEREDE e. V., Prießnitzstraße 18 in der Dresdner Neustadt.Leider hat unser Gast, Bischöf_In Ines-Paul Baumann aus Köln, abgesagt. Stattdessen haben wir zwei Vorhaben:

    1) Jahresprogramm 2019 - welche Ideen habt Ihr zu Themen, Bibelfragen, Gästen oder Filmen?

    2) „Du erschlägst mich mit der Bibel!“ - Jürgen kommentiert Bibelstellen, die wohl uns allen schon um die Ohren gehauen wurden.

    Wie immer werden wir zuvor ab 18:00 Uhr gemeinsam abendessen bei Paul und Markus Raschka, Pulsnitzer Straße 5.

    * zum Fachtag, gemeinschaftlich von Gerede und anderen veranstaltet

    am Dienstag, 11. September 2018, im Hygienemuseum - "Geschlecht: entweder drei oder keins. Herausforderungen und Chancen der Neuregelung des Personenstands" --> https://www.queeres-netzwerk-sachsen.de/11-september-2018-fachtag-geschlecht-entweder-drei-oder-keins-herausforderungen-und-chancen-der-neuregelung-des-personenstands/

    * zum Forumstag FREI UND FROMM

    am Sonnabend, 15. September 2018, Leipzig-Peterskirche - "Angst in Hoffnung verwandeln" --> https://www.frei-und-fromm.de/forumstag/ . Mehrere von uns fahren hin - wer noch möchte mitbauen an einer Landeskirche offen für ALLE - auch für Lesben, Trans* und Schwule? Meldet Euch an über die frei-und-fromm-Homepage.

    * zum Seminar zu christlicher Spiritualität für Trans*, Inter* und Angehörige*

    am Wochenende 28. bis 30. September 2018 in Würzburg - "Ich werde euch wohlgefällig annehmen, spricht Gott" --> https://www.huk.org/aktuell/termine/18/christliche-spiritualitaet-fuer-trans-inter-und-angehoerige

    Viele herzliche Grüße Euch allen - wir freuen uns aufs Wiedersehen!

    Eure

    Bastian, Jürgen, Markus und Markus

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