Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

Kann man die Bibel als Regelwerk benutzen?

Montag, den 24. Juni 2013

Die Ev.-ref. Gemeinde Dresden hat bei ihrem Gemeindefest 2013 als Einstieg zum Thema “Homosexuelle Partnerschaften und Kirche” einen Fragebogen ausgegeben. Nach dem Ausfüllen des Fragebogens ist die Antwort auf die Frage nicht schwer: Kann man die Bibel als Regelwerk benutzen?

Fragebogen zur Bibel

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ein spätes Outing

Montag, den 18. Februar 2013

dem Leben gegenüber gehorsam sein

Ziemlich spät in meinem Leben habe ich angefangen, auf das zu achten, was in mir ist. Einen langen Umweg bin ich gegangen, bis ich endlich zu mir fand. Lag es an den Umständen, an meiner Unfähigkeit, an der Umwelt? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, möchte ich meine Geschichte erzählen. Vielleicht hilft sie zum Nachdenken darüber, wie man sich solche Umwege ersparen kann.

Gehorsam war ein Zauberwort. Damals, als ich klein war und noch nicht viel vom Leben verstand. Als ich groß sein wollte und in meiner Welt etwas gelten. Mit Gehorsam konnte ich Vieles erreichen: Anerkennung, Belohnungen, Streicheleinheiten. Wenn ich sagte, was man gerne hörte und tat, was erwartet wurde, war alles gut.

Das ging auch gut. Denn ich passte mich den Erwartungen an. Ich war gewillt, es jedem recht zu machen und achtete auf die Signale meiner Umwelt. Sie hatten etwas Heiliges an sich, waren unantastbar und allgegenwärtig. Ich kam nicht auf den Gedanken, sie zu ignorieren oder gar ihnen zu widersprechen. Das hätte mir nur Probleme gebracht. Warum sollte ich mir damit das Leben schwer machen?

Das Leben war so schon schwer genug. Die Zeiten waren schlecht. Die ersten sieben Jahre meines Lebens herrschte Krieg. Die folgenden Jahre waren von Mangel und Entbehrung geprägt. Und von großen Hoffnungen. Es konnte nur besser werden. Wenn wir alle unser Bestes taten. Wenn wir mit Fleiß und Disziplin einer besseren Zeit den Weg ebneten. Wenn wir uns den Umständen fügten, um der Hoffnung eine Chance zu geben.

Ich selber hatte kaum eine Chance, mich so zu entfalten wie es mir entsprach. Ich fühlte mich schwach gegenüber der Autorität meiner Eltern und klein meinem großen Bruder gegenüber, der mir als Vorbild vorgehalten wurde. Hatte ich eigene Vorstellungen vom Leben? Hatte ich Wünsche und Sehnsüchte? Ich weiß es nicht, es interessierte auch niemanden. Anpassung war gefragt. Den Erwartungen gerecht werden, hören und gehorchen.

Gehorsam blieb ein wichtiges Wort, auch als ich erwachsen war. Es war mir in Fleisch und Blut übergegangen. Nichts hatte sich geändert: Wenn ich lebte wie es erwartet wurde und redete was man hören wollte, war ich gern gesehen. Das brachte in meinem Beruf Pluspunkte. Als Pfarrer war ich der Ordnung der Kirche mit ihrer Lehre verpflichtet und den Erwartungen der Gemeinde ausgesetzt. Das funktionierte gut, weil ich kaum gelernt hatte, eine eigene Meinung zu haben.

Auch mein privates Leben gestaltete ich nach dem Prinzip der Anpassung. Ich folgte vorgegebenen Ordnungen und nahm Rücksicht auf vermeintliche Erwartungen. Ich heiratete. Natürlich hatte ich Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach einem Menschen, mit dem ich mein Leben teilen konnte. Aber es war mehr Vernunft als Liebe, die mich leitete. Das aber war mir nicht klar. Ich hatte nicht gelernt, auf die Signale meines Herzens zu achten. Ich führte eine normale Ehe, aus der vier Kinder hervorgingen. Es war nicht leicht, meiner Rolle als Familienvater und den Anforderungen meines Berufes gerecht zu werden. Ich tat was ich konnte und habe meine Rolle nicht schlecht gespielt.

Bis ich aus der Rolle fiel. Mit der Zeit drängte nach außen, was ich unwissend verdrängt hatte. Spät in meinem Leben setzte ich mich mit meiner Veranlagung auseinander und fand nach harter innerer Arbeit mein Ja dazu, dass ich schwul bin. Dieses „innere Outing“ war ein langer und schwerer Weg, schwerer wohl als das äußere Outing. Die wichtigste Erkenntnis dabei war: Schwul sein ist nicht nur eine sexuelle Neigung. Es ist eine Weise des Denkens, Wollens und Fühlens, die sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Es ist so etwas wie eine Grundausrichtung, die tief in mir angelegt ist und nicht abzustellen geht.

Ein schwerer Weg begann, als ich mich meiner Frau offenbarte. Nach monatelangem Ringen und unendlich vielen Gesprächen kamen wir gemeinsam zu der Überzeugung, dass eine Trennung besser für uns ist. Ich habe große Achtung vor dem Verständnis und der Toleranz meiner Frau. Für sie ist alles unvergleichlich schwerer. Für mich begann ein neues Leben.

Neu ist für mich, dass ich auf meine innere Befindlichkeit achte und Signale ernst nehme, die aus mir kommen. Neu ist, dass die Erwartungen Anderer an die zweite Stelle gerückt sind und das Hören auf mich an die erste. Mitten im Prozess des Sich-Findens begegnete mir ein Wort des englischen Tanzlehrers Royston Maldoom, das mir sehr geholfen hat: „Man muss dem Leben gegenüber gehorsam sein. Wenn das Leben dich ruft, wenn es sagt, wohin du gehen sollst (nicht, wenn irgendjemand das sagt), dann muss man diesen Botschaften gehorchen.“

Mein neues Leben spielt in einer Welt, die schon ziemlich offen und tolerant geworden ist. Aber es bleibt noch Vieles zu wünschen übrig. Homosexuelle Menschen müssen sich in wichtigen Bereichen unserer Gesellschaft verstecken. Trotz des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“, das seit 2006 Menschen vor Nachteilen u.a. wegen ihrer sexuellen Identität schützen soll, gibt es im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld noch vielerlei Benachteiligungen. Das gilt vor allem für den kirchlichen Raum.

Neu ist für mich, dass ich sein kann wie ich bin und leben wie es mir entspricht. Dazu musste ich mich von einer Grundhaltung meines Lebens verabschieden, die darin bestand, mich anzupassen und einzuordnen. Dieser blindgläubige Gehorsam christlichen Werten und Lebensformen gegenüber hatte die tragische Folge, dass ich mich gar nicht kannte. Die christliche Botschaft ist so dogmatisiert und moralisiert worden, dass sie nicht mehr frei- und frohmachend, sondern einengend wirkt. Wem schon als Kind eingeimpft wird, dass er ein „armer, elender, sündiger Mensch“ ist, wie soll der seinen Phantasien trauen und seine tiefsten Wünsche ernst nehmen? Dem Leben gegenüber gehorsam sein, das heiß nun für mich: meine Lebensform in Einklang mit meinem innersten Wesen zu bringen. Seit ich mich darum bemühe, lebe ich erst richtig. Nun weiß ich erst, wie Glück sich anfühlt und was Liebe ist. Nun bin ich nicht mehr in mich gekehrt, sondern kann aus mir herausgehen. Die Klarheit und Ehrlichkeit sind das Beste an meinem neuen Leben. Ich kann nun mit mir identisch und meiner Umwelt gegenüber glaubwürdig leben.

Ich wünsche mir eine Welt, in der keiner mehr die bitteren Erfahrungen von Anpassung und Fremdbestimmung machen muss. Ich wünsche mir eine offene und tolerante Gesellschaft. Kinder können entfalten, was in ihnen angelegt ist. Junge Menschen können sich ausprobieren ohne gegängelt zu werden. Erwachsene können leben, wie es ihren Veranlagungen entspricht. Keiner wird aufgrund seiner sexuellen Identität oder Lebensform schief angesehen oder benachteiligt.

Wir sind schon auf einem guten Weg in eine solche Gesellschaft, müssen aber noch entscheidende Schritte tun. Die besten Schritte gehen wir, indem wir uns nicht nach den überkommenen Denkweisen oder Ideologien richten, sondern dem Leben gegenüber gehorsam sind.

Dresden, im Dezember 2008

 

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mal was anderes !!

Sonntag, den 24. Juni 2012

Offener Brief an meine homosexuellen Amtsgeschwister

Liebe Schwestern und Brüder, die Ihr noch anders liebt als ich es kenne.
Ich schreibe Euch diesen Brief so offen, weil einige von Euch sich noch immer in unserer Kirche mit ihrer Liebe verstecken.
Es ist ja auch schier unerträglich, ständig öffentlicher Gegenstand der Beurteilung und nun auch noch Grund für eine angedrohte Kirchenspaltung sein zu sollen. Mein Gott – was für eine Kirche sind wir!?
Wir haben diese Woche mit dem Spruch unseres Herrn begonnen: „ Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken” (Mt 11,28). Ich habe tief aufgeatmet, dass unser Herr so zu uns spricht. Auch zu mir. Obwohl er mich doch kennt. Und dass unser Vater im Himmel sich in seinem Sohn Jesus Christus mit solchen Worten zu erkennen geben und nicht mehr aufgezählt haben will, was wem ein Gräuel ist. Denn dazu gehört so vieles, was auch mich betrifft. Auch vor und nach dem sechsten Gebot.
Hört auch Ihr, meine lieben Schwestern und Brüder, die Einladung unseres Herrn wieder neu und lasst Euch von ihm selbst erquicken!
Und weil wir ihm ja gemeinsam nachfolgen wollen, lasst auch uns so handeln. Lasst uns auch die einschließen, die sich so um den Willen unseres Vaters im Himmel sorgen. Sie wissen wohl nicht, was sie tun, wenn sie glauben, die ganze Verantwortung allein tragen zu sollen, damit Gott auch heute noch „unverfälscht” zu Worte kommen kann. Was für eine Belastung! Aber auch für sie gilt der Wochenspruch. Gott sei Dank!
Euer Matthias Weismann
Borna, am 17.Juni 2012

 

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Heilen kann man nur was krank ist

Montag, den 11. Juni 2012

Brief an eine Glaubensschwester, die mich heilen möchte

Liebe Jutta, lange haben wir uns nicht gesehen, und ich freue mich, dass wir beim Klassentreffen einander wieder begegnet sind. Du hast erzählt, dass du durch deinen Glauben glücklich geworden bist. Das merkt man dir auch an! Und du willst, dass Andere auch so glücklich werden. Deine Flaschenpost war dazu eine gute Idee. Aber dass du mir gesagt hast, es gibt Heilung für mich, diese Idee finde ich nicht so gut.

Heilen kann man nur etwas, was krank ist. Ich bin nicht krank, ich bin quicklebendig, fröhlich, glücklich. So glücklich wie du durch deine Begegnung mit Jesus. Das kenne ich auch, und ich habe meine Veranlagung sehr in SEINEM Licht geprüft und hinterfragt.

Wovon willst du mich heilen, und warum? Weil da in der Bibel ein paar Sachen stehen, die du wörtlich anwendest? Weißt du, dass es gefährlich ist, nur Ausgewähltes in der Bibel wörtlich zu verstehen? Anderes interessiert dich genauso, frage ich dich? Wie hältst du es mit den vielen Speisegeboten im Alten Testament? Wenn du z.B. Hosen trägst, verstößt du gegen 5. Mose, 22,5. Du nimmst es wahrscheinlich nicht wörtlich, dass Jesus gesagt hat: “Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden” (Mt. 6,19). Das betrifft auch Sparkonten!  Oder “Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat” (Lk 3,11).  Selbst wenn du den Zehnten für die Armen gibst, erfüllst du den Sinn dieses Jesuswortes nicht wörtlich, aber natürlich sinngemäß. Und das tue ich auch in Bezug auf meine Homosexualität. Weißt du, dass Jesus zu diesem Thema überhaupt nichts gesagt hat, und dass der Apostel Paulus mit seinen Sätzen zum Thema sexuelle Entgleisungen und Zuchtlosigkeit angesprochen hat? Willst du mir etwa so etwas vorwerfen, nur weil ich einen Mann auch körperlich liebe?

Die sexuelle Veranlagung jedes Menschen ist schöpfungsmäßig gegeben, also von Gott so angelegt. Sie ist nicht veränderbar. Veränderbar allerdings ist die Disposition, also die Bewertung, die ich vornehme. Jeder Mensch hat ja homosexuelle Anteile. Bei den meisten Menschen sind sie relativ gering. Bei ungefähr 5% der Bevölkerung sind sie sehr stark. Bisexuelle z.B. können mit einem Mann genauso glücklich werden wie mit einer Frau. Wer aber einen starken homosexuellen Anteil hat, kann nur mit einem gleichgeschlechtlichen Menschen glücklich werden. Die „Umpolung“ eines Homosexuellen ist nur dann denkbar, wenn seine heterosexuellen Anteile so stark sind, dass er auch sie leben kann. Bei diesen Menschen können die Bemühungen von Wüstenstrom Erfolg haben. Bei den vorwiegend homosexuell Veranlagten aber führen solche “Heilungsversuche” in die Katastrophe (glaube mir, ich weiß, was ich schreibe!!). Mann kann einen Menschen nicht verbiegen. Man kann ihn nur manipulieren und dabei unglücklich machen.

Wenn du mir sagen willst, dass meine Veranlagung Sünde ist und ich geheilt werden kann, dann kann ich dir nur sagen: du tust mir Unrecht. Ich kenne viele Homosexuelle, die durch Heilungsversuche sehr krank geworden sind. Sogar Selbstmord ist die Folge von diesen sog. „seelsorgerlichen“ Manipulationen.

Wenn du also willst, dass Andere auch so glücklich sind wie du, dann mach ihnen kein schlechtes Gewissen. Homosexuelle wollen so wie du in einer festen und verbindlichen Partnerschaft leben. Darin erleben sie ganzheitliche Liebe und tiefes Glück. Dieses Glück wollen uns manche fromme Christen  madig machen, du hoffentlich nicht! Lass uns doch so leben, wie es uns entspricht. Wir tun Niemandem etwas.

Ich freue mich, wenn wir weiter im Austausch bleiben und schicke dir herzliche Grüße,
Horst

Diesen Brief habe ich wirklich so geschrieben und an meine Klassenkameradin geschickt.
Nur den Namen habe ich geändert. Ich bin gespannt, wie sie reagiert.

 

 

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Ein Leiden ist Homosexualität nicht – aber ihre Verdrängung ist es

Freitag, den 20. Januar 2012

–  aus DER SONNTAG, Kirchenzeitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens vom 22.1.2012  –
Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau.
Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homo¬sexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.«
So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang.
»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.«
Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz.
Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte – wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch.
Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört – um keinen Preis wollte er dazugehören.
Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein.
Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet – und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.
Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner – ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen.
»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.«
Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen – aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.«
Andreas Roth

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Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Sonntag, den 11. Dezember 2011

Mein persönliches Glaubensbekenntnis
– frei von den demütigenden Dogmen der Sühnetheologie –

Es heißt, Gott sei allmächtig.
Ich glaube nicht an die Allmacht Gottes, sondern an sein Allsein.
Er ist in allem anwesend, alles ist von ihm erfüllt.

Es heißt, Gott sei ein strenger Richter, der Sünde bestraft.
Ich glaube nicht an einen strafenden Gott, sondern an seine Liebe.
Er ist uns bedingungslos zugetan und liebt uns mit unseren Fehlern und Schwächen.

Es heißt, jeder Mensch sei von Geburt an verdammt und müsse erlöst werden.
Ich glaube nicht an die Erbsünde (laut Augsburger Bekenntnis eine “angeborene Seuche”, die alle unter den ewigen Gotteszorn verdammt), sondern an das Gute im Menschen bei aller Unvollkommenheit.

Es heißt, Gott lasse den größten Teil der Menschheit umkommen, nämlich alle, die sich nicht zu Jesus bekennen.
Ich glaube nicht an einen barbarischen Gott, sondern an seine Menschenliebe.

Es heißt, nur aus Gnade dürfen wir Gott begegnen.
Ich glaube nicht, dass ich auf Gnade angewiesen bin.
Ich bin nicht ein minderwertiges misslungenes Produkt göttlicher Schöpferkraft, sonder Teil seiner Wirklichkeit.
In meiner Lebendigkeit erlebe ich Gott, spüre ich sein Wesen, nehme ich teil an seinem Wirken.

Horst Rasche

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Lieben Leiden Lachen. Ein schwuler Pastor erzählt

Dienstag, den 15. November 2011

Der aus Fernsehsendungen bekannte Hans-Jürgen Meyer hat ein Buch über seine Erfahrungen als schwuler Pastor geschrieben. In Lieben Leiden Lachen erzählt Hans-Jürgen Meyer aus einem Leben, das reich an vielerlei Emotionen ist.

Als sich der junge Pastor eines Tages entscheidet, nicht länger seine Homosexualität zu verbergen, beginnen schlagartig die Probleme. Auseinandersetzungen, Verhandlungen, Dienstenthebung – und noch nicht genug: er erhält nach einem freiwilligen Test die Diagnose HIV-positiv.

Das Vorwort zum Buch hat Frau Dr. Margot Käßmann geschrieben. Sie sorgt maßgeblich für die Rehabilitation Meyers. Auch der heutige Landesbischof Ralf Meister äußert sich unmissverständlich zu den damaligen Geschehnissen, und der renommierte Professor Manfred Josuttis nimmt kein Blatt vor den Mund.

Hans-Jürgen Meyer erzählt, warum er den Talar nicht an den Nagel hängt und ermutigt Betroffene: „Wer identisch leben will, muss Farbe bekennen.“ Er hat es nicht bereut, ein Leben ohne Maske zu leben. Er hat mehr gelacht als geweint.

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Vom Mann zur Frau – vom Pfarrer zur Pfarrerin

Donnerstag, den 6. Oktober 2011

Christina Bergmann ist Pfarrerin. Sie wurde 1962  als Mann geboren, studierte Theologie und arbeitete als Gemeindepfarrer. Nachdem sie den Wandlungsweg vom Mann zur Frau gegangen ist, arbeitet sie nun als Pfarrerin im Sauerland.
Über ihren Wandlungsweg vom Mann zur Frau hat sie ein Buch geschrieben. Mit diesem Buch möchte sie ermutigen, der inneren Stimme zu folgen, loszulassen und zu vertrauen, um das eigene Leben, das Gott in uns hineingelegt hat, in seiner Tiefe zu entdecken, anzunehmen und auch zu lieben.

Völlig frei und offen beschreibt Christina Bergmann ihren Weg mit allen Höhen und Tiefen. Begleitet wird sie durch Christus, der durch Bibelzitate und Eingebungen immer in Ihrer Nähe ist.
Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen, um einfach öfter innezuhalten, in sich hineinzuhören, seine eigentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen zu folgen.

Christina Bergmann
“Und meine Seele lächelt”
Pomaska-Brand Verlag 2010

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Wohnprojekt an der Elbe

Mittwoch, den 7. September 2011

Raum zum Leben brauchen wir alle. Dazu gehört nicht nur Wohn-Raum, in dem wir uns wohl fühlen. Dazu gehören Menschen zum Reden, zum miteinander Lachen und Weinen, zu gegenseitiger Hilfe.
Am Anfang stand eine Vision. Der Maler und Schriftsteller Wilhelm von Kügelgen hat uns dazu inspiriert mit seinem Wort: „Wir Menschen brauchen Geselligkeit und Einsamkeit, um innerlich gesund zu bleiben. Eins allein wird uns krank machen.“

Am Ende steht ein modern saniertes Haus, das wir mit Leben füllen. Unsere Vision hat sich sehr schön, aber doch anders erfüllt, als wir ursprünglich hofften.

Es sollte ein schwules Wohnprojekt werden. Das aber war eine Illusion. Vielleicht waren wir zu einfältig mit unserer Vorstellung, in Dresden ein „Schwulenhaus“ ins Leben zu rufen. Jedenfalls fanden sich zu wenige Interessenten.
Es kam also ganz anders, aber wir sind mit dem Ergebnis recht zufrieden. Im Herbst 2010 ist „unser Haus“ fertig geworden – mit 12 altersgerechten Mietwohnungen für selbständiges Leben und Räumen zur Pflege von Gemeinsamkeiten.
In unserem Wohnprojekt leben Singles (Männer und Frauen) und Paare verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Lebensformen, Weltanschauungen und sexuellen Orientierungen miteinander.
Wir sind das 6. Projekt von “AWIG – Verein für gemeinsames Wohnen” in Dresden.
Interesse? Ich freue mich über Anfragen und auch über Besuch in der Leipziger Straße.

Wohnprojekt an der Elbe
01127 Dresden, Leipziger Straße 91

Kontakt: Horst Rasche – wohn-projekt@horapi.de

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Bundesstiftung gegen Diskriminierung Homosexueller beschlossen

Mittwoch, den 31. August 2011

Er war ein Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung: Der Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld. Jetzt wird er Namensgeber einer Stiftung, die die Bundesregierung ins Leben rufen will. Das Kabinett hat dafür am 31. August den Weg frei gemacht.
Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sagte, die Magnus-Hirschfeld-Stiftung solle mit Bildungsangeboten über Homosexualität informieren und für mehr Achtung und Interesse werben. Außerdem sei geplant, das von den Nationalsozialisten verübte Unrecht an Schwulen und Lesben zu erforschen.
Die Stiftung soll ihren Sitz in Berlin haben und mit rund 10 Millionen Euro ausgestattet sein. Die Gründung wurde schon im Koalitionsvertrag von Union und FDP festgelegt.
Quelle: http://www.dradio.de/kulturnachrichten

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