Christlich-Schwul-LesBischer Stammtisch Dresden

Ein Leiden ist Homosexualität nicht – aber ihre Verdrängung ist es

Freitag, den 20. Januar 2012

-  aus DER SONNTAG, Kirchenzeitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens vom 22.1.2012  -
Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau.
Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homo¬sexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.«
So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang.
»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.«
Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz.
Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte – wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch.
Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört – um keinen Preis wollte er dazugehören.
Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein.
Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet – und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.
Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner – ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen.
»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.«
Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen – aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.«
Andreas Roth

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Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Sonntag, den 11. Dezember 2011

Mein persönliches Glaubensbekenntnis
- frei von den demütigenden Dogmen der Sühnetheologie -

Es heißt, Gott sei allmächtig.
Ich glaube nicht an die Allmacht Gottes, sondern an sein Allsein.
Er ist in allem anwesend, alles ist von ihm erfüllt.

Es heißt, Gott sei ein strenger Richter, der Sünde bestraft.
Ich glaube nicht an einen strafenden Gott, sondern an seine Liebe.
Er ist uns bedingungslos zugetan und liebt uns mit unseren Fehlern und Schwächen.

Es heißt, jeder Mensch sei von Geburt an verdammt und müsse erlöst werden.
Ich glaube nicht an die Erbsünde (laut Augsburger Bekenntnis eine “angeborene Seuche”, die alle unter den ewigen Gotteszorn verdammt), sondern an das Gute im Menschen bei aller Unvollkommenheit.

Es heißt, Gott lasse den größten Teil der Menschheit umkommen, nämlich alle, die sich nicht zu Jesus bekennen.
Ich glaube nicht an einen barbarischen Gott, sondern an seine Menschenliebe.

Es heißt, nur aus Gnade dürfen wir Gott begegnen.
Ich glaube nicht, dass ich auf Gnade angewiesen bin.
Ich bin nicht ein minderwertiges misslungenes Produkt göttlicher Schöpferkraft, sonder Teil seiner Wirklichkeit.
In meiner Lebendigkeit erlebe ich Gott, spüre ich sein Wesen, nehme ich teil an seinem Wirken.

Horst Rasche

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Lieben Leiden Lachen. Ein schwuler Pastor erzählt

Dienstag, den 15. November 2011

Der aus Fernsehsendungen bekannte Hans-Jürgen Meyer hat ein Buch über seine Erfahrungen als schwuler Pastor geschrieben. In Lieben Leiden Lachen erzählt Hans-Jürgen Meyer aus einem Leben, das reich an vielerlei Emotionen ist.

Als sich der junge Pastor eines Tages entscheidet, nicht länger seine Homosexualität zu verbergen, beginnen schlagartig die Probleme. Auseinandersetzungen, Verhandlungen, Dienstenthebung – und noch nicht genug: er erhält nach einem freiwilligen Test die Diagnose HIV-positiv.

Das Vorwort zum Buch hat Frau Dr. Margot Käßmann geschrieben. Sie sorgt maßgeblich für die Rehabilitation Meyers. Auch der heutige Landesbischof Ralf Meister äußert sich unmissverständlich zu den damaligen Geschehnissen, und der renommierte Professor Manfred Josuttis nimmt kein Blatt vor den Mund.

Hans-Jürgen Meyer erzählt, warum er den Talar nicht an den Nagel hängt und ermutigt Betroffene: „Wer identisch leben will, muss Farbe bekennen.“ Er hat es nicht bereut, ein Leben ohne Maske zu leben. Er hat mehr gelacht als geweint.

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Vom Mann zur Frau – vom Pfarrer zur Pfarrerin

Donnerstag, den 6. Oktober 2011

Christina Bergmann ist Pfarrerin. Sie wurde 1962  als Mann geboren, studierte Theologie und arbeitete als Gemeindepfarrer. Nachdem sie den Wandlungsweg vom Mann zur Frau gegangen ist, arbeitet sie nun als Pfarrerin im Sauerland.
Über ihren Wandlungsweg vom Mann zur Frau hat sie ein Buch geschrieben. Mit diesem Buch möchte sie ermutigen, der inneren Stimme zu folgen, loszulassen und zu vertrauen, um das eigene Leben, das Gott in uns hineingelegt hat, in seiner Tiefe zu entdecken, anzunehmen und auch zu lieben.

Völlig frei und offen beschreibt Christina Bergmann ihren Weg mit allen Höhen und Tiefen. Begleitet wird sie durch Christus, der durch Bibelzitate und Eingebungen immer in Ihrer Nähe ist.
Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen, um einfach öfter innezuhalten, in sich hineinzuhören, seine eigentlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen zu folgen.

Christina Bergmann
“Und meine Seele lächelt”
Pomaska-Brand Verlag 2010

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Wohnprojekt an der Elbe

Mittwoch, den 7. September 2011

Raum zum Leben brauchen wir alle. Dazu gehört nicht nur Wohn-Raum, in dem wir uns wohl fühlen. Dazu gehören Menschen zum Reden, zum miteinander Lachen und Weinen, zu gegenseitiger Hilfe.
Am Anfang stand eine Vision. Der Maler und Schriftsteller Wilhelm von Kügelgen hat uns dazu inspiriert mit seinem Wort: „Wir Menschen brauchen Geselligkeit und Einsamkeit, um innerlich gesund zu bleiben. Eins allein wird uns krank machen.“

Am Ende steht ein modern saniertes Haus, das wir mit Leben füllen. Unsere Vision hat sich sehr schön, aber doch anders erfüllt, als wir ursprünglich hofften.

Es sollte ein schwules Wohnprojekt werden. Das aber war eine Illusion. Vielleicht waren wir zu einfältig mit unserer Vorstellung, in Dresden ein „Schwulenhaus“ ins Leben zu rufen. Jedenfalls fanden sich zu wenige Interessenten.
Es kam also ganz anders, aber wir sind mit dem Ergebnis recht zufrieden. Im Herbst 2010 ist „unser Haus“ fertig geworden – mit 12 altersgerechten Mietwohnungen für selbständiges Leben und Räumen zur Pflege von Gemeinsamkeiten.
In unserem Wohnprojekt leben Singles (Männer und Frauen) und Paare verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Lebensformen, Weltanschauungen und sexuellen Orientierungen miteinander.
Wir sind das 6. Projekt von “AWIG – Verein für gemeinsames Wohnen” in Dresden.
Interesse? Ich freue mich über Anfragen und auch über Besuch in der Leipziger Straße.

Wohnprojekt an der Elbe
01127 Dresden, Leipziger Straße 91

Kontakt: Horst Rasche – wohn-projekt@horapi.de

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Bundesstiftung gegen Diskriminierung Homosexueller beschlossen

Mittwoch, den 31. August 2011

Er war ein Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung: Der Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld. Jetzt wird er Namensgeber einer Stiftung, die die Bundesregierung ins Leben rufen will. Das Kabinett hat dafür am 31. August den Weg frei gemacht.
Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sagte, die Magnus-Hirschfeld-Stiftung solle mit Bildungsangeboten über Homosexualität informieren und für mehr Achtung und Interesse werben. Außerdem sei geplant, das von den Nationalsozialisten verübte Unrecht an Schwulen und Lesben zu erforschen.
Die Stiftung soll ihren Sitz in Berlin haben und mit rund 10 Millionen Euro ausgestattet sein. Die Gründung wurde schon im Koalitionsvertrag von Union und FDP festgelegt.
Quelle: http://www.dradio.de/kulturnachrichten

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Lesetip: “Mission Gottesreich”

Samstag, den 30. Juli 2011

- ein Buch über fundamentalistische Christen in Deutschland
Ein so vernichtendes Urteil über dieses Buch, wie es in einer Rezension bei amazon.de zu lesen ist, macht neugierig: „Dies ist einfach ein unerträgliches Buch. Halbwahrheiten werden unreflektiert in den Raum gestellt, Informationen aus dem Zusammenhang gerissen und überall nach Verboten geschrien. Ehrlich gesagt, frage ich mich, ob die Autoren recherchiert haben, oder einfach auf die schnelle ein paar Euros verdienen wollten. Mein Tip, nicht kaufen!“

Mir ist nach dem Lesen des Buches klar, warum es so negative Beurteilungen findet und woher sie kommen: dieses  Buch legt die Machenschaften christlicher Gruppierungen, die meinen, im Besitz der Wahrheit zu sein, schonungslos offen.
Die taz beurteilt das Buch so: „Oda Lambrecht und Christian Baars beschreiben so detailliert wie niemand zuvor die Szene der fundamentalistischen Christen in Deutschland. Nüchtern. Unaufgeregt. Ohne Polemik. (…) Das Buch war überfällig, denn bisher hat es kein unabhängiges Überblickswerk über den christlichen Fundamentalismus in Deutschland gegeben.“
Die Autoren selber stellen in dem Buch fest: „Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.“
Selbst wenn es stimmte, dass die Autoren „maßlos übertreiben“, wie bei amazon.de auch zu lesen ist, reicht schon ein Kern an Wahrheit um zu erschrecken.
Für uns ist natürlich besonders die hochnäsige Ablehnung der Homosexualität aufschlussreich, die alle evangelikalen und fundamentalistischen Gruppierungen mit radikalen Fanatikern vereint.
Mein Tip: kaufen und vor allem lesen!
Horst Rasche

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Oda Lambrecht, Christian Baars
Mission Gottesreich
Fundamentalistische Christen in Deutschland
Ch.Links Verlag, Berlin, 2009
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Christ und homosexuell?

Montag, den 18. Juli 2011

Ich bin ein ehrlicher, aber auch kritischer Christ. Die Bibel ist für mich das Fundament meines Lebens. Ich gebrauche sie nicht wie einen Steinbruch (zum Herausbrechen von Brocken, die sich als Wurfgeschosse eignen), sondern wie einen Brunnen als Lebensquell.
Aus der Bibel heraus gebrochene Wurfgeschosse treffen mich immer wieder, seit ich mich zu meiner Homosexualität bekenne.
Ich bin froh, dass ich durch meine theologische Ausbildung in der Lage bin, die oft als Wurfgeschoss benutzen Bibelstellen in ihrem historischen und sozialen Kontext zu verstehen. Sie verwerfen heidnisch-homosexuelle Praktiken damaliger Zeit, aber nicht gleichgeschlechtliche Liebe.
Es  ist wahr, dass die Bibel keine positive Stellung zur Homosexualität bezieht. Aber die betreffenden Bibelstellen als Argument gegen verantwortlich gelebte Homosexualität zu benutzen, ist unchristlich und diskriminierend.
Die Kirchen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Homosexuelle kulturell abgestempelt und ins soziale Abseits gestellt wurden und oft noch werden. Die kirchliche Verurteilung legt ihnen schwere Lasten auf: Quälende Schuldgefühle hindern sie an einer unverkrampften Liebe zum Mitmenschen, zu sich selbst und zu Gott. Das  ist ein Skandal und schlägt der Liebe Christi ins Gesicht!
In der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gelten noch immer fragwürdige Regeln, die es homosexuellen Mitarbeitern nicht ermöglichen, offen und ehrlich zu ihrer Veranlagung zu stehen, und die eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ausschließen.
Ich bin als Pfarrer im Ruhestand in der Lage, mich öffentlich zu äußern, da ich keine dienstrechtlichen Konsequenzen mehr fürchten muss.
Horst Rasche

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